Vorsicht beim Blickkontakt: Warum du fremden Hunden niemals in die Augen sehen solltest.

Wir Menschen nutzen Blickkontakt, um Vertrauen aufzubauen, Zuneigung zu zeigen oder Aufmerksamkeit zu signalisieren. Ein offener Blick gilt bei uns als höflich und ehrlich. Doch in der Welt der Hunde – und vieler anderer Tierarten – gelten völlig andere Regeln. Wer einen fremden Hund ohne Vorwarnung fixiert, begeht aus hündischer Sicht einen massiven Fauxpas, der im schlimmsten Fall gefährlich enden kann.

Die biologische Hardverdrahtung: Starren als Drohung

In der Kommunikation von Caniden (Hundeartigen) ist das „Fixieren“ ein fester Bestandteil des Aggressionsverhaltens. Wenn ein Hund ein anderes Lebewesen ununterbrochen anstarrt, ist das keine Neugier, sondern eine aktive Drohung. Es ist die Vorstufe zum Angriff oder ein Versuch, das Gegenüber einzuschüchtern und zu kontrollieren.

Wenn du einen fremden Hund direkt in die Augen schaust, versteht er nicht: „Oh, was für ein lieber Mensch.“ Er versteht: „Ich habe dich im Visier, ich fordere dich heraus und ich weiche nicht zurück.“

Das Missverständnis zwischen den Spezies

Das Problem ist oft unsere eigene Körpersprache. Wir beugen uns leicht nach vorne, lächeln (zeigen dabei oft Zähne, was ein weiteres Warnsignal sein kann) und schauen dem Hund direkt in die Augen, um „Hallo“ zu sagen.

Für einen unsicheren oder territorialen Hund ist diese Kombination eine maximale Provokation:

Frontale Ausrichtung: Wir stehen direkt vor ihm (bedrohlich).

Invasion des Raums: Wir beugen uns über ihn (dominantes Verhalten).

Der Blick: Wir fixieren ihn (Angriffssignal).

Wie Hunde reagieren

Je nach Charakter des Hundes wird er auf diesen „Angriff“ unterschiedlich reagieren:

Der Unsichere: Er bekommt Angst, weicht zurück oder zeigt Beschwichtigungssignale (Lecken über die Schnauze, Gähnen, Abwenden des Kopfes).

Der Selbstbewusste: Er hält dem Blick stand, versteift sich, knurrt oder schnappt im schlimmsten Fall zu, um die Distanz wiederherzustellen.

So machst du es richtig: Die „höfliche“ Begrüßung

Wenn du einen fremden Hund triffst, ist Ignoranz die höchste Form der Höflichkeit. Hier ist der Knigge für die erste Begegnung:

Den Blick schweifen lassen: Schau an dem Hund vorbei oder auf seine Schulter. Das signalisiert: „Ich bin keine Gefahr und ich habe kein Interesse an einem Konflikt.“

Seitliche Position: Dreh dich leicht zur Seite, statt frontal auf den Hund zuzugehen.

Warten statt Handeln: Lass den Hund den ersten Schritt machen. Wenn er an dir schnüffeln will, lass ihn, ohne ihn sofort anzustarren oder über den Kopf zu streicheln.

Fazit

Ein Hund ist kein kleiner Mensch im Pelzmantel. Auch wenn unsere Haustiere gelernt haben, uns vieles zu verzeihen, bleibt die Genetik ihrer Vorfahren tief verwurzelt. Den Blick abzuwenden ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Respekt und Sachverstand. Wer wegsieht, gewinnt das Vertrauen des Hundes oft viel schneller als derjenige, der versucht, die „Seele durch die Augen“ zu ergründen.

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