800 Volt unter Wasser: Die lebende Batterie des Amazonas.

Der Zitteraal: Das lebende Kraftwerk des Amazonas

Der Zitteraal ist eine biologische Sensation. Obwohl sein Name und sein schlangenartiger Körper etwas anderes vermuten lassen, ist er kein echter Aal, sondern gehört zur Ordnung der Neuwelt-Messerfische. Seine Fähigkeit, starke elektrische Entladungen zu erzeugen, ist im Tierreich nahezu einzigartig.

1. Anatomie und Lebensraum

Zitteraale leben in den schlammigen, sauerstoffarmen Süßwassergewässern des Amazonas- und Orinoko-Beckens in Südamerika.

Größe: Sie können eine Länge von bis zu 2,5 Metern und ein Gewicht von rund 20 Kilogramm erreichen.

Atmung: Da sie in trüben, sauerstoffarmen Gewässern leben, sind sie obligatorische Luftatmer. Etwa alle 10 bis 15 Minuten müssen sie an die Oberfläche kommen, um über ihre hochspezialisierte Mundhöhle Sauerstoff aufzunehmen.

Sinne: Da sie fast blind sind, verlassen sie sich vollständig auf ihre elektrische Orientierung.

2. Wie erzeugt er Strom?

Fast 80 % seines Körpers bestehen aus spezialisierten Muskelzellen, den sogenannten Elektrozyten. Diese funktionieren wie kleine Batterien. Der Zitteraal besitzt drei verschiedene elektrische Organe:

Das Hauptorgan & das Hunter’sche Organ: Diese erzeugen die starken Entladungen zur Jagd und Verteidigung.

Das Sach’sche Organ: Es sendet schwache Impulse (ca. 10 Volt) aus, die dem Aal zur Orientierung und Kommunikation dienen (Elektrolokation).

Die Leistung: Ein ausgewachsener Zitteraal kann Spannungen von bis zu 600 bis 800 Volt und eine Stromstärke von etwa 1 Ampere erzeugen. Das reicht aus, um ein Pferd zu betäuben oder einen Menschen massiv zu verletzen.

3. Jagdstrategie und Verteidigung

Der Zitteraal ist ein geschickter Jäger. Seine Strategie ist hocheffizient:

Der Beute-Check: Mit schwachen Impulsen scannt er die Umgebung. Er registriert sogar die Muskelzuckungen versteckter Fische.

Der Schock: Sobald er Beute lokalisiert hat, gibt er zwei bis drei starke Entladungen ab. Diese lösen bei der Beute eine totale Muskelstarre aus (ähnlich wie bei einem Taser).

Die Verstärkung: Um besonders große Beute zu überwältigen, rollt sich der Aal ein, sodass Kopf und Schwanz die Beute umschließen. Dadurch wird das elektrische Feld konzentriert und die Wirkung vervielfacht.

4. Gefahr für den Menschen?

Tödliche Unfälle durch Zitteraale sind selten, aber möglich. Ein Schlag führt meist nicht direkt zum Herzstillstand, kann aber eine vorübergehende Lähmung verursachen. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass die betroffene Person im flachen Wasser das Bewusstsein verliert und ertrinkt.

5. Systematik: Ein kleiner Irrtum

Lange Zeit dachte man, es gäbe nur eine Art. 2019 fanden Forscher jedoch heraus, dass es sich um mindestens drei verschiedene Arten handelt. Die stärkste unter ihnen, Electrophorus voltai, kann sogar bis zu 860 Volt generieren – der Rekord im Tierreich.

Zusammenfassung im Überblick

Merkmal Detail
Maximale Spannung Bis zu 860 Volt
Lebensraum Trübe Süßwasserflüsse Südamerikas
Nahrung Fische, Krustentiere, gelegentlich kleine Säuger
Besonderheit Nutzt Strom zur Jagd, Abwehr UND Navigation

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