Darknet: Funktionsweise und Gefahren
Das Darknet ist ein faszinierender und oft missverstandener Bereich des Internets. Es ist ein Teil des Deep Web, der wiederum den Großteil des World Wide Web ausmacht. Im Gegensatz zum Clear Web (dem öffentlich zugänglichen und von Suchmaschinen indexierten Teil des Internets) sind die Inhalte des Deep Web nicht direkt über herkömmliche Suchmaschinen auffindbar. Das Deep Web umfasst beispielsweise passwortgeschützte Datenbanken, Cloud-Speicher oder private Netzwerke von Unternehmen und Universitäten.
Das Darknet ist ein kleiner, aber berüchtigter Teil des Deep Web. Es zeichnet sich dadurch aus, dass der Zugang spezielle Software und Konfigurationen erfordert, die darauf abzielen, die Anonymität der Nutzer zu gewährleisten. Das bekannteste Netzwerk, das den Zugang zum Darknet ermöglicht, ist Tor (The Onion Router).
Funktionsweise des Darknets (am Beispiel von Tor)

Die Funktionsweise von Tor basiert auf dem Prinzip der Zwiebelverschlüsselung, die eine mehrschichtige Anonymisierung ermöglicht:
Verschlüsselung: Wenn ein Nutzer über den Tor-Browser auf eine Webseite im Darknet zugreift, werden die Daten nicht direkt an den Zielserver gesendet. Stattdessen werden sie mehrfach verschlüsselt, ähnlich den Schichten einer Zwiebel.
Knotenpunkte (Relays): Die verschlüsselten Daten werden dann über mindestens drei zufällig ausgewählte Server im Tor-Netzwerk geleitet. Diese Server werden von Freiwilligen weltweit betrieben. Jeder Knotenpunkt entschlüsselt nur eine Schicht der Verschlüsselung, um den nächsten Knotenpunkt zu erfahren, und leitet die Daten dann weiter.
Anonymität: Durch diese mehrfache Umleitung und Entschlüsselung ist es extrem schwierig, die ursprüngliche IP-Adresse des Nutzers zurückzuverfolgen. Der letzte Knotenpunkt, der sogenannte Exit-Node, ist der einzige, dessen IP-Adresse dem Zielserver bekannt ist. Die Identität des Nutzers bleibt dabei verborgen.
.onion-Adressen: Webseiten im Darknet haben oft spezielle Adressen, die auf ".onion" enden. Diese Adressen sind nicht über herkömmliche Browser erreichbar und können nur innerhalb des Tor-Netzwerks aufgerufen werden. Viele dieser Seiten sind zudem nicht statisch und ändern ihre Adressen häufig, um der Entdeckung zu entgehen.
Gefahren und Risiken des Darknets

Die Anonymität, die das Darknet bietet, zieht eine Vielzahl von Nutzern an, darunter auch solche mit illegalen Absichten. Dies führt zu erheblichen Gefahren und Risiken:
Kriminelle Aktivitäten: Das Darknet ist bekannt für den Handel mit illegalen Gütern und Dienstleistungen. Dazu gehören Drogen, Waffen, gestohlene persönliche Daten (Kreditkarteninformationen, Identitäten), gefälschte Dokumente und sogar Auftragsmorde (wobei viele dieser Angebote Betrug sind). Auch die Verbreitung von Kinderpornografie und anderen extremen illegalen Inhalten ist ein schwerwiegendes Problem im Darknet.
Betrug und Scam: Viele der im Darknet angebotenen Dienstleistungen und Produkte sind betrügerisch. Nutzer laufen Gefahr, Geld zu verlieren oder minderwertige/nicht existierende Waren zu erhalten.
Malware und Viren: Das Risiko, sich mit Viren, Trojanern oder anderer Schadsoftware zu infizieren, ist im Darknet deutlich höher als im Clear Web. Viele Seiten sind darauf ausgelegt, Nutzer auszuspionieren oder ihre Geräte zu kompromittieren.
Strafrechtliche Konsequenzen: Obwohl die bloße Nutzung des Tor-Browsers und der Zugang zum Darknet in den meisten Ländern nicht illegal sind, sind die dort stattfindenden illegalen Aktivitäten strafbar. Strafverfolgungsbehörden weltweit führen verdeckte Ermittlungen durch und haben bereits zahlreiche große Darknet-Marktplätze geschlossen und Täter verhaftet. Wer sich an illegalen Handlungen beteiligt, riskiert empfindliche Strafen.
Unerwünschte und verstörende Inhalte: Nutzer können auf Inhalte stoßen, die extrem verstörend, gewalttätig oder moralisch verwerflich sind. Dies kann psychologische Auswirkungen haben.
Legitime Nutzung des Darknets

Trotz der negativen Aspekte gibt es auch legitime Gründe für die Nutzung des Darknets:
Schutz der Privatsphäre: In Ländern mit strenger Zensur oder Überwachung nutzen Aktivisten, Journalisten und Whistleblower das Darknet, um anonym zu kommunizieren und Informationen auszutauschen, ohne von Regierungen oder anderen Akteuren verfolgt zu werden.
Journalismus und Forschung: Investigative Journalisten und Sicherheitsforscher nutzen das Darknet, um Bedrohungen zu analysieren, verborgene Informationen zu finden oder mit anonymen Quellen in Kontakt zu treten.
Umgehung von Zensur: Menschen in repressiven Staaten können das Darknet nutzen, um auf zensierte Inhalte zuzugreifen oder Informationen zu verbreiten, die in ihrem Land unterdrückt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Darknet ein komplexes und ambivalentes Phänomen ist. Es bietet ein hohes Maß an Anonymität, das sowohl für den Schutz der Privatsphäre als auch für kriminelle Zwecke missbraucht werden kann. Für unbedarfte Nutzer ist der Besuch des Darknets aufgrund der hohen Risiken nicht empfehlenswert.
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