Die EU zögert, sie handeln: Wo die Zeitumstellung bereits Geschichte ist.
Während in der Europäischen Union die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung seit Jahren aufgrund von Uneinigkeit und mangelnder Priorität auf Eis liegt, haben zahlreiche Länder weltweit bereits Fakten geschaffen. Sie haben die lästige Prozedur beendet und sich dauerhaft für eine Standardzeit entschieden – entweder für die ehemalige Sommer- oder Winterzeit.
Diese Länder folgen dem Drängen vieler Bürger und Experten, die gesundheitliche Nachteile, geringe Energiespareffekte und das Chaos im Verkehrssektor monieren.
Hier ist ein Überblick über die Länder, die der Zeitumstellung Adieu gesagt haben und dauerhaft auf eine feste Zeit gesetzt haben.
Die Vorreiter der Zeitstabilität: Länder, die nicht mehr an der Uhr drehen

Die Länder, die die Zeitumstellung abgeschafft haben, verteilen sich über den gesamten Globus. Sie gehören zu den Vorreitern der "ewigen Zeit":
1. Osteuropa und GUS-Staaten (Der massive Wandel)

Viele Länder in Osteuropa und Zentralasien haben sich in den letzten Jahren bewusst von der Praxis verabschiedet, oft als politisches Statement oder zur Vereinfachung:
Russland: Russland schaffte die Sommerzeit 2014 ab und verweilt seitdem dauerhaft in der ehemaligen Winterzeit (Normalzeit). Dies führte zwar zu einigen Verschiebungen in den Zeitzonen, beendete aber das halbjährliche Chaos.
Türkei: Die Türkei verabschiedete sich 2016 von der Umstellung und behält seitdem dauerhaft die Sommerzeit bei.
Belarus: Folgte dem russischen Beispiel und stellte ebenfalls auf eine permanente Normalzeit um.
Ukraine: Die Ukraine hat sich ebenfalls für eine Abschaffung ausgesprochen, teilweise um sich von der Moskauer Zeit abzugrenzen und eine einheitliche Kiewer Zeit im ganzen Land zu festigen.
2. Der Nahe Osten und Afrika

Einige Länder haben die Zeitumstellung entweder nie eingeführt oder in den letzten Jahren beendet:
Marokko: Das nordafrikanische Land entschied 2018, die Sommerzeit dauerhaft beizubehalten, mit Ausnahme des Fastenmonats Ramadan, in dem die Uhren temporär umgestellt werden.
Jordanien und Syrien: Beide Länder haben die Umstellung ebenfalls aufgehoben.
3. Amerika

Auch auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Regionen, die dem Uhrendrehen ein Ende gesetzt haben:
Mexiko: Im Jahr 2022 wurde die Zeitumstellung in den meisten Regionen Mexikos abgeschafft, nur einige Grenzgebiete zu den USA behalten die Umstellung bei, um die Synchronität mit ihren Nachbarn zu gewährleisten.
Brasilien: Brasilien schaffte die Sommerzeit 2019 ab.
Argentinien: Das Land hat die Zeitumstellung bereits 2009 beendet.
USA/Kanada (teilweise): Die Zeitumstellung ist hier eine Frage der Bundesstaaten/Provinzen. Beispielsweise stellen Hawaii und der Großteil von Arizona die Uhren nicht um.
4. Asien und Ozeanien

Viele große asiatische Nationen haben die Zeitumstellung historisch bedingt oder aufgrund ihrer geografischen Lage nie übernommen:
China: Trotz seiner enormen geografischen Ausdehnung verwendet China nur eine einzige Zeitzone und verzichtet gänzlich auf die Umstellung.
Indien: Indien hat keine Sommer- oder Winterzeit.
Japan und Südkorea: Haben die Umstellung vor langer Zeit (Japan 1951, Südkorea 1988) eingestellt.
Australien (teilweise): Ähnlich wie in den USA/Kanada liegt die Entscheidung bei den Bundesstaaten. Queensland, Westaustralien und das Northern Territory haben keine Zeitumstellung.
5. Europa (abseits der EU)

Auch in Europa gibt es Länder, die nicht Teil der EU-Harmonisierung sind und ihre eigenen Entscheidungen getroffen haben:
Island: Die Insel hat die Zeitumstellung nie eingeführt.
Grönland: Die Region hat sich zuletzt 2023 entschieden, die Zeitumstellung abzuschaffen und dauerhaft auf die Sommerzeit umzustellen, um näher an der europäischen Zeit zu sein.
Die EU-Blockade: Das Problem der Einigung

Das Europäische Parlament stimmte bereits im März 2019 mit großer Mehrheit für eine Abschaffung der Zeitumstellung, ursprünglich geplant für 2021. Doch das Vorhaben scheiterte am Rat der Europäischen Union, in dem die Mitgliedsstaaten vertreten sind.
Das Hauptproblem ist die Einigung auf eine dauerhafte Zeit:
Dauerhaft Sommerzeit: Länder im Westen der EU (z.B. Spanien oder Teile Frankreichs) befürchten, dass es im Winter morgens sehr spät – teils erst nach 10 Uhr – hell werden würde.
Dauerhaft Winterzeit (Normalzeit): Länder im Osten und Norden (z.B. Skandinavien) befürchten, dass die Abende im Sommer extrem früh dunkel werden.
Ohne eine koordinierte Entscheidung droht ein "Flickenteppich" unterschiedlicher Zeitzonen innerhalb der EU, was massive Nachteile für den Binnenmarkt, den Verkehr und die Kommunikation hätte. Angesichts globaler Krisen und politischer Prioritäten ist das Thema in der EU derzeit auf unbestimmte Zeit vertagt – zum Leidwesen der 84 Prozent der Bürger, die sich laut einer EU-Umfrage von 2018 für die Abschaffung ausgesprochen hatten.
Bis auf Weiteres heißt es daher in den EU-Staaten weiterhin zweimal im Jahr: Uhr vor, Uhr zurück.
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