Die Unzerstörbaren: Warum Bärtierchen sogar das Weltall überleben

Bärtierchen sind meist weniger als einen Millimeter groß und leben fast überall: im Moos deines Gartens, in der Tiefsee oder auf den höchsten Gipfeln des Himalayas. Doch ihre wahre Stärke zeigen sie erst, wenn die Bedingungen tödlich werden.

1. Das Geheimnis der "Kryptobiose"

Die wichtigste Überlebensstrategie der Bärtierchen ist die Fähigkeit, in einen Zustand extremer Scheintotheit zu verfallen, die sogenannte Kryptobiose.

Der Vorgang: Das Tier zieht seine acht Beine ein, verliert fast 97 % seines Körperwassers und schrumpft zu einem winzigen, tonnenförmigen Gebilde zusammen (dem sogenannten "Tun").

Die Biologie: Anstatt auszutrocknen und zu sterben, ersetzen sie ihr Wasser durch ein spezielles Protein und eine Zuckerart (Trehalose). Dies schützt die Zellen wie eine Art "Bio-Glas" vor dem Zerbrechen. In diesem Zustand steht der Stoffwechsel praktisch still.

2. Extreme, die kein anderes Tier überlebt

Wissenschaftler haben Bärtierchen Bedingungen ausgesetzt, die jedes andere Lebewesen sofort vernichten würden:

Hitze und Kälte: Sie überleben Temperaturen von 150 °C und das Einfrieren in flüssigem Helium bei fast -273 °C (dem absoluten Nullpunkt).

Druck: Sie halten dem 6.000-fachen Druck unserer Atmosphäre stand – das ist sechsmal mehr Druck, als am Boden des Marianengrabens herrscht.

Strahlung: Bärtierchen vertragen eine tausendfach höhere Strahlendosis als Menschen. Sie besitzen ein spezielles Protein namens Dsup (Damage Suppressor), das ihre DNA wie ein Schutzschild umhüllt und vor Strahlenschäden bewahrt.

3. Einsatz im Weltall: Die Astronauten ohne Anzug

Im Jahr 2007 schickte die europäische Weltraumorganisation ESA Bärtierchen mit der Mission FOTON-M3 ins All.

Das Experiment: Die Tiere wurden für zehn Tage dem Vakuum des Weltraums und der ungefilterten kosmischen UV-Strahlung ausgesetzt.

Das Ergebnis: Nach ihrer Rückkehr zur Erde wurden sie rehydriert (mit Wasser benetzt) und erwachten innerhalb von Stunden zum Leben, als wäre nichts gewesen. Sie pflanzten sich sogar ganz normal weiter fort.

4. Was können wir von ihnen lernen?

Die Forschung an Bärtierchen ist im Jahr 2026 von enormer Bedeutung für die Menschheit:

Medizin: Die Stabilisierungsmethoden der Bärtierchen könnten helfen, Impfstoffe oder Blutkonserven ohne Kühlung haltbar zu machen.

Raumfahrt: Das Verständnis ihrer Schutzproteine könnte Wege ebnen, um Astronauten auf Langzeitmissionen (z. B. zum Mars) besser vor kosmischer Strahlung zu schützen.

Bärtierchen-Fakten auf einen Blick

Extrembedingung Überlebensdauer im "Tun"-Zustand
Vakuum des Weltalls Mindestens 10 Tage (getestet)
Tieffrieren (-273 °C) Jahre
Extreme Hitze (+150 °C) Mehrere Stunden
Völlige Austrocknung Über 10 Jahre (einige Berichte sagen 30+)

Fazit: Bärtierchen sind die ultimative Lebensversicherung der Erde. Sie erinnern uns daran, dass das Leben Wege findet, selbst unter den lebensfeindlichsten Bedingungen zu existieren. Wenn die Menschheit irgendwann verschwindet, werden die Bärtierchen wahrscheinlich immer noch in einem Wassertropfen auf einem Moosblatt sitzen und zusehen.

Weiter Lesen