3.000 Schließfächer, eine Wand, keine Spur: Das Rätsel um den Mega-Coup von Gelsenkirchen

Es klingt wie das Drehbuch zu einem Hollywood-Blockbuster, doch für tausende Kunden der Sparkasse Gelsenkirchen ist es bittere Realität. Während die Stadt zwischen Weihnachten und Neujahr 2025 zur Ruhe kam, arbeiteten Profis in der Filiale am Standpunkt Buer mit chirurgischer Präzision an einem der größten Raubzüge der deutschen Kriminalgeschichte.

Der Weg durch den Beton

Die Täter gingen mit einer Dreistigkeit vor, die Ermittler fassungslos macht. Über eine angrenzende Tiefgarage verschafften sie sich Zugang zu einem Archivraum. Von dort aus bohrten sie ein massives Loch durch die meterdicke Stahlbetonwand direkt in das Allerheiligste der Bank: den Tresorraum.

Einmal im Inneren, ließen sie sich Zeit. Nahezu ungestört knackten sie rund 3.000 der insgesamt 3.250 Schließfächer – eine Quote von fast 95 Prozent. Als die Mitarbeiter am Morgen des 29. Dezembers die Filiale betraten, fanden sie kein Chaos vor, sondern ein Bild der systematischen Plünderung.

Die Beute: Ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe

Was genau in den Fächern lag, wird vielleicht nie vollständig geklärt werden. Goldmünzen, Diamantschmuck, Bargeldreserven und unverzichtbare Familienerbstücke sind spurlos verschwunden. Erste Schätzungen gehen von einer Beute aus, die die 100-Millionen-Euro-Marke weit überschreiten könnte.

Das Rätsel um die Täter

Die Ermittlungskommission „Bohrer“ steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Die Täter agierten hochprofessionell:

Kein Alarm: Das Sicherheitssystem wurde offenbar gezielt umgangen oder blieb stumm.

Keine Spuren: Die Flucht mit der tonnenschweren Beute erfolgte vermutlich mit einem schwarzen Audi RS 6 und einem weißen Transporter.

Insider-Verdacht: Die Präzision, mit der genau die richtige Wandstelle für den Durchbruch gewählt wurde, nährt den Verdacht, dass die Täter über detaillierte Baupläne oder Insider-Informationen verfügten.

Sicherheit, die keine war

Für die Betroffenen beginnt nun der Kampf mit den Versicherungen. Während die Sparkasse eine Grundabsicherung bietet, deckt diese oft nur einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes ab. Der Fall wirft eine beunruhigende Frage auf: Wie sicher ist ein Banktresor heute noch, wenn eine einfache Wand zum schwächsten Glied der Kette wird?

Gelsenkirchen wartet gespannt auf Antworten, doch bisher bleibt nur das gähnende Loch in der Wand und die Gewissheit, dass hier Profis am Werk waren, die der Polizei aktuell mindestens einen Schritt voraus sind.

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