Das rätselhafte Erbe der Neandertaler: Was geschah wirklich mit ihnen?
Die Geschichte der Neandertaler, unserer engsten ausgestorbenen Verwandten, ist ein fesselndes und noch immer nicht vollständig gelöstes Rätsel. Lange Zeit galten sie als stumpfe, primitive Höhlenmenschen, die dem überlegenen Homo sapiens weichen mussten. Doch neuere archäologische Funde und vor allem genetische Analysen haben dieses Bild grundlegend revidiert. Wir wissen heute, dass die Neandertaler komplexe Werkzeuge herstellten, sich künstlerisch betätigten und sogar ihre Toten bestatteten.
Doch trotz ihrer Anpassungsfähigkeit und Intelligenz verschwanden die Neandertaler vor etwa 40.000 Jahren von der Bildfläche. Was führte zu ihrem Untergang? Eine einfache Erklärung gibt es nicht, vielmehr gehen Wissenschaftler von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus:
Die Ankunft des Homo sapiens: Als der moderne Mensch von Afrika nach Europa und Asien auswanderte, kam es zum Aufeinandertreffen der beiden Menschenarten. Es gab wohl nicht nur Konflikte, sondern auch Phasen des Zusammenlebens und der Vermischung.
Genetische Vermischung: Heute ist durch DNA-Analysen belegt, dass alle Menschen außerhalb Afrikas 1-2 % Neandertaler-DNA in sich tragen. Das zeigt, dass es zu erfolgreichen Kreuzungen zwischen den beiden Gruppen kam. Es ist möglich, dass die Neandertaler schlicht in der größeren und sich schneller ausbreitenden Population des Homo sapiens aufgingen.
Klimatische Veränderungen: Während die Neandertaler über Jahrtausende hinweg an die eiszeitlichen Bedingungen angepasst waren, könnten die raschen Klimaschwankungen, die in dieser Zeit stattfanden, zu einem erheblichen Druck auf ihre Populationen geführt haben.
Möglicherweise kleinere Populationsgröße: Studien legen nahe, dass die Neandertaler in kleineren, isolierteren Gruppen lebten, was sie anfälliger für genetische Engpässe und Umweltveränderungen machte als die größeren Gruppen des Homo sapiens.
Das Erbe der Neandertaler ist also nicht in den Tiefen der Geschichte verschwunden. Ein Teil von ihnen lebt in uns weiter.
Wo waren sie sesshaft?

Neandertaler waren nicht im modernen Sinne "sesshaft", da sie Jäger und Sammler waren und ihren Wohnort je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot wechselten. Sie lebten nomadisch, kehrten aber oft zu bestimmten bevorzugten Lagerplätzen zurück, die sie teilweise über Generationen hinweg nutzten. Diese Orte waren häufig geschützte Höhlen, aber auch Freilandlager in der Nähe von Jagdgründen oder Wasserquellen.
Ihr Verbreitungsgebiet war riesig und erstreckte sich über:
Europa: Von Portugal im Westen bis in den Ural im Osten.
Vorderasien: Bis in den Nahen Osten (Israel, Irak).
Zentralasien: Bis ins westliche Sibirien.
Ihre Fähigkeit, sich in so unterschiedlichen Klimazonen anzupassen, ist ein weiterer Beweis für ihre bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit.
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