Wärme zieht sie an: Wie die Südrussische Tarantel sich in Europa ausbreitet.
Die Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis) ist die größte Spinnenart Europas und war lange Zeit vor allem in den Steppengebieten Südosteuropas und Asiens beheimatet. Doch in den letzten Jahren rückt die imposante Spinne auch in Regionen vor, in denen sie bisher kaum oder gar nicht anzutreffen war. Der Grund für diese territoriale Expansion ist eng mit einem globalen Phänomen verbunden: dem Klimawandel.
Der perfekte Nährboden: Mediterrane Temperaturen

Die Südrussische Tarantel ist eine thermomophile Art (wärmeliebend). Sie bevorzugt trockene, warme Böden und ist auf ausreichend hohe Temperaturen angewiesen, um ihren Lebenszyklus erfolgreich abzuschließen.
Höhere Durchschnittstemperaturen: Kontinuierlich steigende Sommer- und Jahresdurchschnittstemperaturen in Mitteleuropa schaffen zunehmend geeignete Lebensbedingungen für die Lycosa singoriensis. Was früher zu kühl war, um die Populationen stabil zu halten, wird nun zum idealen Habitat.
Milde Winter: Kürzere und mildere Winter erhöhen die Überlebenschancen der Jungtiere und ausgewachsenen Spinnen. Der Frost, der die Ausbreitung bisher natürlich begrenzte, wird seltens zu einem wirklichen Hindernis.
Diese veränderten klimatischen Bedingungen ermöglichen es der Spinne, sich von traditionellen Verbreitungsgebieten wie der ungarischen Puszta oder Südrussland weiter nach Westen und Norden auszudehnen.
Lebensweise und Vorkommen: Wo man sie findet

Die Südrussische Tarantel gehört zur Familie der Wolfspinnen (Lycosidae), was ihre Jagdstrategie beschreibt: Sie baut keine Fangnetze, sondern ist ein aktiver Lauerjäger.
Röhrenbewohner: Die Spinne gräbt bis zu 60 Zentimeter tiefe, vertikale Wohnröhren in den Boden, die sie mit Spinnenseide auskleidet. An deren Eingang lauert sie auf Beute wie Käfer, Grillen oder andere Insekten.
Erste Sichtungen: Aktuell wird die Art vermehrt in Österreich, Teilen Süddeutschlands (insbesondere in warmen Regionen entlang großer Flüsse) und weiteren osteuropäischen Gebieten registriert. Diese Vorkommen galten früher als extrem selten oder wurden auf eingeschleppte Einzeltiere zurückgeführt. Heute sind sie vielerorts bereits als etablierte Populationen anzusehen.
Gefahr für den Menschen: Giftig, aber nicht lebensbedrohlich

Obwohl der Name "Tarantel" und die imposante Erscheinung (sie kann eine Körperlänge von bis zu 4 cm erreichen) Respekt einflößen, geht von der Lycosa singoriensis in der Regel keine ernste Gefahr für den Menschen aus.
Verteidigungsbiss: Die Spinne beißt nur, wenn sie sich bedroht oder in die Enge getrieben fühlt, etwa wenn man versehentlich in ihre Wohnröhre greift oder auf sie tritt.
Symptome: Das Gift ist nicht lebensbedrohlich, aber der Biss kann schmerzhaft sein und zu lokalen Symptomen führen, darunter Schwellungen, Rötungen, leichte Übelkeit oder Herzrasen, vergleichbar mit einem Wespen- oder Bienenstich.
Die Südrussische Tarantel ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie schnell wärmeliebende Arten auf die klimatischen Veränderungen reagieren und ihre Verbreitungsgrenzen verschieben. Obwohl sie für einige ein "Albtraum auf acht Beinen" ist, bleibt sie ein wichtiger Teil des Ökosystems in trockenen Graslandschaften.
Sollten Sie der Spinne begegnen, gilt die Empfehlung: Beobachten Sie sie aus sicherer Entfernung und lassen Sie sie in Ruhe.
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