Ehrlicher Test: Kann die Heißluftfritteuse dem Grill wirklich das Wasser reichen?
Es ist die Gretchenfrage für Fleischliebhaber. Auf der einen Seite steht der Grill: Das archaische Spiel mit dem Feuer, der Duft von Holzkohle und die heilige Brandung (Branding) auf dem Fleisch. Auf der anderen Seite steht die Heißluftfritteuse: Ein technisches Wunderwerk der Effizienz, das verspricht, ohne Fettspritzer und Vorheiz-Drama zum Ziel zu führen.
Wir haben den Test gemacht: Tradition gegen Innovation. Flamme gegen Heißluft.
Die Kruste: Das Maillard-Dilemma

Beim Grillen ist die Sache klar: Die enorme Hitze der Glut sorgt für die perfekte Maillard-Reaktion. Das Fleisch karamellisiert sofort, es entstehen Röststufen, die wir mit „Sommer“ und „Barbecue“ verbinden.
In der Heißluftfritteuse passiert etwas anderes. Da sie im Grunde ein extrem leistungsstarker Umluftofen auf Steroiden ist, wird das Steak von allen Seiten gleichzeitig mit High-Speed-Luft beschossen.
Das Ergebnis: Die Kruste wird überraschend gleichmäßig und knusprig, aber es fehlt das typische „Rauch-Aroma“.
Der Trick: Ein wenig Öl und ein Dry-Rub helfen der Fritteuse enorm auf die Sprünge.
Die Konsistenz: Saftigkeit auf dem Prüfstand

Hier punktet die Heißluftfritteuse massiv. Da die Temperatur extrem präzise gesteuert werden kann, ist die Gefahr, das Fleisch zu „vergasen“, geringer als auf einem unberechenbaren Kohlegrill.
Airfryer: Das Fleisch bleibt oft saftiger, da die Garzeit kurz und die Hitzeeinwirkung konstant ist. Ein 3 cm dickes Entrecôte ist nach ca. 10–12 Minuten perfekt Medium – ohne dass man daneben stehen muss.
Grill: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Ein Moment Unachtsamkeit, und die Flammen lecken am Fett, was zu bitteren Rußstellen führen kann.
Komfort und Geschwindigkeit: Der klare Sieger

Hand aufs Herz: Wer wirft für ein einzelnes Steak nach der Arbeit den Kohlegrill an? Wahrscheinlich niemand.
Heißluftfritteuse: 3 Minuten Vorheizen, Fleisch rein, Timer an, fertig. Keine Reinigung des Rosts, keine Ascheentsorgung, keine verrauchten Haare.
Grill: Ein Event. Es braucht Zeit, Vorbereitung und das richtige Wetter.
Das ehrliche Fazit: Wer gewinnt?

Kann die Heißluftfritteuse dem Grill das Wasser reichen? Technisch gesehen: Ja. Wenn es um die reine Fleischqualität, die Saftigkeit und den unkomplizierten Genuss geht, ist der Airfryer eine ernstzunehmende Konkurrenz, die im Alltag eigentlich fast immer gewinnt. Das Steak wird perfekt gegart und die Kruste ist mehr als ordentlich.
Aber: Dem Airfryer fehlt die Seele. Er kann die Geselligkeit, das Knistern der Kohle und den rauchigen Geschmack eines echten Feuers nicht kopieren.
Unsere Empfehlung:
Für das schnelle Steak unter der Woche: Die Heißluftfritteuse ist dein bester Freund. Du wirst schockiert sein, wie gut das Ergebnis ist.
Für das Gourmet-Erlebnis am Wochenende: Bleib beim Grill. Das Aroma von echtem Holzfeuer ist durch keinen Ventilator der Welt zu ersetzen.
Profi-Tipp für den Airfryer-Test:

Heize die Fritteuse 5 Minuten auf maximaler Stufe vor, bevor du das Fleisch hineingibst. Nutze ein Fleischthermometer (Ziel: 54°C Kerntemperatur für Medium). Lass das Steak danach unbedingt 5 Minuten ruhen – genau wie beim Grillen!
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