Überleben im Permafrost: Der unglaubliche Alltag der Menschen von Oimjakon

Oimjakon ist ein Ort, der die Grenzen der menschlichen Ausdauer neu definiert. Hier ist ein tieferer Einblick in das Leben am Kältepol und seine genaue Lage.

Wo liegt Oimjakon?

Oimjakon (russisch Оймякон) liegt im Osten Sibiriens, im fernen Osten Russlands. Er gehört zur Republik Sacha (Jakutien). Der Ort liegt in einem Hochtal am Fluss Indigirka, etwa 740 Meter über dem Meeresspiegel.

Die geografische Lage ist entscheidend für die extreme Kälte: Das Dorf liegt zwischen zwei Gebirgsketten, die verhindern, dass wärmere Luftmassen das Tal erreichen. Gleichzeitig sinkt die kalte, schwere Luft ins Tal hinab und verharrt dort wie in einer Schüssel.

Überleben im Permafrost: Der Alltag der Extreme

In Oimjakon ist der Boden bis in große Tiefen dauerhaft gefroren (Permafrost). Das prägt das Leben der rund 500 Einwohner auf eine Weise, die für Außenstehende kaum vorstellbar ist.

1. Die Herausforderung der Beerdigungen Eines der eindringlichsten Beispiele für das Leben auf gefrorenem Boden ist der Tod. Um ein Grab auszuheben, muss der Boden tagelang mit Freudenfeuern aufgetaut werden. Heiße Kohlen werden auf die Erde gelegt, nach einigen Stunden wird die aufgetaute Schicht (oft nur wenige Zentimeter) weggegraben. Dieser Prozess wiederholt sich über Tage, bis das Grab tief genug ist.

2. Technik und Mobilität Autos sind in Oimjakon lebensnotwendig, aber auch ein logistischer Albtraum. Wer keine beheizte Garage besitzt, lässt den Motor den gesamten Winter über einfach laufen. Würde man ihn abstellen, würde das Fahrzeug erst im Frühjahr wieder anspringen. Batterien entladen sich in Minuten, und Reifen können bei extremer Kälte so spröde werden, dass sie bei der Fahrt einfach zerbrechen.

3. Ernährung ohne Pflanzen Da im Permafrost nichts wächst, basiert die Ernährung fast ausschließlich auf Fleisch und Fisch. Beliebt ist gefrorenes Pferdefleisch oder der Fisch "Stroganina", der im gefrorenen Zustand in hauchdünne Scheiben geschnitten und roh mit Salz und Pfeffer verzehrt wird. Diese Diät liefert die nötigen Kalorien und Vitamine, um die körpereigene Heizung am Laufen zu halten.

4. Die Schule der Abgehärteten Während in anderen Teilen der Welt bei leichtem Schneefall der Notstand ausgerufen wird, ist der Schulweg in Oimjakon Routine. Erst wenn die Temperaturen unter -52 °C fallen, bleiben die Grundschüler zu Hause. Die älteren Schüler müssen oft noch bis -56 °C zum Unterricht erscheinen.

5. Kleidung als Lebensversicherung In Oimjakon trägt man Pelz – nicht aus modischen Gründen, sondern zum Überleben. Synthetikfasern versagen oft bei diesen Temperaturen. Rentierfell-Stiefel und schwere Pelzmützen sind Standard. Wer eine Brille trägt, muss vorsichtig sein: Das Metall kann innerhalb von Sekunden an der Haut festfrieren und beim Abnehmen die Haut mitreißen.

Kurze Fakten-Übersicht:

Tiefsttemperatur: -67,8 °C (offiziell), inoffiziell sogar noch tiefer.

Einwohner: ca. 500.

Besonderheit: Trotz der Kälte gibt es Thermalquellen, die den Fluss stellenweise offen halten (daher rührt auch der Name, der "nicht gefrierendes Wasser" bedeutet).

Oimjakon bleibt ein Ort der Kontraste – lebensfeindlich und doch Heimat für Menschen, die stolz darauf sind, die härtesten Winter der Welt zu meistern.

Weiter Lesen