Geschäfte schließen Bohnen weg – Kaffee-Klau in Supermärkten nimmt deutlich zu
Ursachen für den zunehmenden Kaffee-Klau

Die Zunahme des Kaffeeklaus ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
Gestiegene Kaffeepreise: Die Preise für Rohkaffee sind in den letzten Jahren aufgrund von Ernteausfällen, Klimawandel, Lieferkettenproblemen und steigender Nachfrage erheblich gestiegen. Dies spiegelt sich direkt in den Preisen für Endverbraucher wider, wodurch Kaffee zu einem attraktiveren Ziel für Diebstahl wird.
Hoher Wiederverkaufswert: Kaffee, insbesondere Markenprodukte oder Spezialitätenkaffee, lässt sich auf dem Schwarzmarkt oder über informelle Kanäle relativ einfach und schnell zu Geld machen. Er wird oft als "Weichware" bezeichnet, die unauffällig transportiert und verkauft werden kann.
Wirtschaftliche Lage: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder Inflation, wenn die Lebenshaltungskosten steigen, könnten mehr Menschen dazu verleitet sein, Waren zu stehlen, sei es für den Eigenverbrauch oder um durch den Weiterverkauf zusätzliches Einkommen zu generieren.
Organisierte Kriminalität: Ein nicht unerheblicher Teil der Diebstähle geht auf das Konto organisierter Banden, die gezielt teure Produkte wie Kaffee, Spirituosen oder Rasierklingen in großen Mengen stehlen, um sie systematisch weiterzuverkaufen.
Geringes Entdeckungsrisiko: Kleindiebstähle werden oft nicht sofort bemerkt oder verfolgt, was das Risiko für die Täter relativ gering erscheinen lässt.
Auswirkungen auf Supermärkte und Kunden

Die Zunahme des Kaffeeklaus hat direkte und indirekte Auswirkungen:
Für Supermärkte:
Finanzielle Verluste: Die gestohlenen Waren bedeuten direkte Einnahmeverluste. Dazu kommen Kosten für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen (Personal, Technik).
Logistischer Aufwand: Das Sichern und ggf. Wegschließen von Waren erhöht den Arbeitsaufwand für das Personal.
Lagerhaltung: Wenn Produkte aus den Regalen genommen werden müssen, entstehen ggf. Probleme bei der Lagerung im Backoffice.
Inventurdifferenzen: Der Schwund belastet die Bilanzen und kann die Profitabilität mindern.
Für Kunden:
Höhere Preise: Die Kosten für Diebstahl und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen werden letztendlich an die Verbraucher weitergegeben.
Eingeschränkte Verfügbarkeit/Unbequemlichkeit: Kunden finden ihren Lieblingskaffee möglicherweise nicht mehr direkt im Regal, sondern müssen an der Kasse danach fragen oder das Personal rufen, was als umständlich empfunden wird.
Verändertes Einkaufserlebnis: Ein verschlossenes Regal oder sichtbare Sicherheitstechnik kann ein Gefühl des Misstrauens erzeugen und das Einkaufserlebnis negativ beeinflussen.
Maßnahmen der Supermärkte

Angesichts der steigenden Diebstahlsraten ergreifen Supermärkte eine Reihe von Maßnahmen:
Warensicherung direkt am Regal:
Diebstahlsicherungen/Anti-Diebstahl-Etiketten: Kleine elektronische Etiketten, die beim Passieren der Alarmschranken piepen.
Verpackungssicherungen: Größere Verpackungen, die schwerer zu verstecken sind, oder spezielle Verriegelungen.
Verankerungen: Bei sehr teuren Produkten werden diese manchmal mit Kabeln am Regal befestigt.
"Wegschließen" der Waren: Die drastischste Maßnahme, wie die Schlagzeile andeutet, ist das Entfernen der Kaffeebeutel aus den frei zugänglichen Regalen.
Hinter der Kasse: Kaffee wird direkt an der Kasse gelagert und nur auf Nachfrage ausgegeben.
In verschlossenen Vitrinen: Teurere Sorten werden in abschließbaren Schränken präsentiert.
Im Backoffice: Die Ware wird erst nach dem Bezahlen herausgegeben.
Erhöhte Videoüberwachung: Der Einsatz moderner Kamerasysteme, oft mit KI-Unterstützung zur Erkennung verdächtigen Verhaltens.
Mehr Sicherheitspersonal: Vermehrt sichtbares oder verdecktes Sicherheitspersonal in den Märkten.
Ansprache von Verdächtigen: Geschultes Personal spricht Personen an, die sich verdächtig verhalten, um Diebstähle präventiv zu verhindern.
Zusammenarbeit mit der Polizei: Intensive Zusammenarbeit mit den Behörden zur Aufklärung von Diebstahlserien und zur Strafverfolgung.
Regionale Unterschiede und Tendenzen

Die Situation kann regional variieren. Ballungszentren und größere Städte, wo die Anonymität höher ist und organisierte Banden aktiver sind, könnten stärker betroffen sein als ländliche Gebiete. Auch grenznahe Regionen sind oft anfälliger für organisierten Ladendiebstahl, da die gestohlenen Waren schnell über die Grenze gebracht werden können.
Es ist eine allgemeine Tendenz im Einzelhandel zu beobachten, dass hochwertige und leicht zu transportierende Produkte, die einen hohen Wiederverkaufswert haben, zunehmend von Diebstahl betroffen sind. Dies betrifft nicht nur Kaffee, sondern auch Drogerieartikel, Spirituosen oder Elektronikartikel. Die Supermärkte stehen vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen effektiver Diebstahlprävention und einem angenehmen Einkaufserlebnis für ehrliche Kunden zu finden.
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