Vom Tier auf den Menschen: Das Rätsel des Bornavirus entschlüsselt
Das Bornavirus war über ein Jahrhundert lang ein Rätsel, das man vor allem in der Tiermedizin verortete. Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild gewandelt: Was früher als reine „Pferdekrankheit“ galt, hat sich als eine seltene, aber hochgefährliche Zoonose für den Menschen entpuppt.
Hier ist der aktuelle Stand der Forschung (Januar 2026) über die Herkunft, die Übertragung und die Entschlüsselung dieses mysteriösen Erregers.
Vom Tier auf den Menschen: Das Rätsel des Bornavirus entschlüsselt

Das klassische Bornavirus (BoDV-1) hat seinen Namen von der Stadt Borna in Sachsen, wo im späten 19. Jahrhundert ganze Kavallerie-Regimenter ihre Pferde durch eine mysteriöse Gehirnentzündung verloren. Heute wissen wir: Der Erreger ist weitaus komplexer, als man damals ahnte.
1. Der wahre Wirt: Eine unscheinbare Maus

Lange Zeit rätselte man, wie das Virus überlebt. Heute ist das Geheimnis gelüftet: Die Feldspitzmaus ist das natürliche Reservoir.
Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Wirten erkrankt die Feldspitzmaus nicht am Virus. Sie trägt es lebenslang in sich und scheidet es über Speichel, Urin und Kot aus.
Geografischer Fokus: In Deutschland sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen sowie Teile Sachsen-Anhalts als Endemiegebiete bekannt, da dort die infizierten Spitzmäuse leben.
2. Der Sprung auf den Menschen

Bis vor wenigen Jahren war umstritten, ob das Virus Menschen infizieren kann. 2018 gelang der traurige Durchbruch in der Forschung: Nach mehreren Todesfällen bei Organtransplantationen wurde BoDV-1 zweifelsfrei als Ursache nachgewiesen.
Der Übertragungsweg: Menschen infizieren sich meist durch den direkten Kontakt mit Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen. Dies kann durch Gartenarbeit, in Scheunen oder Schuppen passieren, wo der Staub mit getrocknetem Mäuseurin eingeatmet wird.
Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Nach aktuellem Stand (2026) gibt es keine Belege dafür, dass ein infizierter Mensch einen anderen Menschen anstecken kann.
3. Was das Virus im Körper anrichtet

Das Bornavirus ist ein „neurotropes“ Virus, was bedeutet, dass es gezielt das Nervensystem angreift.
Die Tarnung: Das Virus wandert entlang der Nervenbahnen direkt ins Gehirn. Dort versteckt es sich in den Zellkernen und ist für das Immunsystem zunächst schwer zu entdecken.
Die Entzündung: Sobald das Immunsystem reagiert, kommt es zu einer schweren Gehirnentzündung (Enzephalitis). Erste Symptome sind oft unspezifisch: Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Innerhalb kurzer Zeit folgen neurologische Störungen, Sprachprobleme oder Verwirrtheit, die oft zum Koma führen.
4. Diagnose und Prävention: Der Schutz im Alltag

Obwohl Infektionen beim Menschen extrem selten sind (in Deutschland werden jährlich nur etwa 2 bis 6 Fälle gemeldet), ist die Sterblichkeitsrate mit über 90 % extrem hoch.
So schützt man sich:
Abstand zu Spitzmäusen: Findest du eine tote Maus, berühre sie niemals mit bloßen Händen.
Hygiene bei der Reinigung: Wenn du alte Schuppen oder Dachböden reinigst, in denen Mäusekot sein könnte, trage eine FFP2-Maske und befeuchte den Staub vorher, damit er nicht aufwirbelt.
Haustiere: Katzen bringen oft Spitzmäuse als „Geschenk“ nach Hause. Entsorge diese sicher mit Handschuhen.
Faktencheck: Bornavirus (BoDV-1)

| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Hauptwirt | Feldspitzmaus |
| Betroffene Tiere | Pferde, Schafe, Alpakas |
| Risiko Mensch | Sehr gering, aber oft tödlich |
| Symptome | Fieber, Kopfschmerz, Verwirrtheit, Koma |
| Impfstoff | Aktuell (2026) noch nicht für Menschen verfügbar |
Fazit: Die Entschlüsselung des Bornavirus zeigt, wie wichtig die Beobachtung von Wildtieren für die menschliche Gesundheit ist. Auch wenn das Risiko für den Einzelnen extrem klein ist, hat die Wissenschaft nun die Werkzeuge, um dieses „Phantom-Virus“ schneller zu erkennen und daran zu forschen, wie man die schweren Verläufe behandeln kann.
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