Wenn jede Bewegung zur Qual wird: Der schleichende Schmerz der Schulter-Bursitis
Es beginnt oft schleichend. Ein kurzer Stich beim Anziehen der Jacke, ein unangenehmes Drücken beim Schlafen auf der Seite oder ein ziehender Schmerz beim Greifen in das oberste Regal. Was viele zunächst als harmlose Verspannung abtun, kann sich schnell zu einem massiven Problem entwickeln: der Schleimbeutelentzündung (Bursitis) in der Schulter.
Das Warnsignal des Körpers

Der Schleimbeutel (Bursa) fungiert in unserem komplexen Schultergelenk als biologischer Stoßdämpfer und Gleitschicht. Er verhindert, dass Sehnen und Knochen direkt aneinanderreiben. Bei einer Entzündung schwillt dieses kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Kissen an. Da das Schulterdach jedoch ein sehr enges Konstrukt ist, führt jede Schwellung zu schmerzhaftem Druck.
Typische Symptome:
Bewegungsschmerz: Besonders beim seitlichen Abspreizen des Arms (zwischen 60° und 120°).
Nachtschmerz: Liegen auf der betroffenen Schulter ist fast unmöglich.
Ausstrahlung: Der Schmerz zieht oft vom Gelenk bis in den Oberarm.
Druckempfindlichkeit: Die vordere oder seitliche Schulterregion reagiert sensibel auf Berührung.
Behandlungsmöglichkeiten: Den Entzündungsherd löschen

Die gute Nachricht ist: Eine Bursitis lässt sich meist ohne Operation erfolgreich behandeln. Wichtig ist eine Kombination aus Ruhe, Entzündungshemmung und gezielter Mobilisierung.
1. Die Akutphase: Soforthilfe

In den ersten Tagen steht die Schmerzbekämpfung im Vordergrund:
Schonung, aber keine totale Ruhigstellung: Vermeide schmerzauslösende Bewegungen (besonders Überkopf-Arbeiten), aber bewege den Arm im schmerzfreien Bereich leicht weiter, um ein „Einfrieren“ des Gelenks (Frozen Shoulder) zu verhindern.
Kühlung: Kältepackungen (für ca. 10–15 Minuten, mehrmals täglich) helfen, die Entzündung einzudämmen und die Schwellung zu reduzieren.
Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend.
2. Konservative Therapie beim Arzt

Hält der Schmerz an, kann der Orthopäde weiterhelfen:
Physiotherapie: Dies ist der Goldstandard. Durch gezielte Übungen wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert und die Muskulatur gestärkt, um den Schleimbeutel zu entlasten.
Stoßwellentherapie: Hochenergetische Schallwellen fördern die Durchblutung und den Heilungsprozess im Gewebe.
Injektionstherapie: In schweren Fällen kann eine Spritze mit Kortison oder einem Lokalanästhetikum direkt in den Schleimbeutel die Entzündung fast unmittelbar stoppen.
3. Was du selbst tun kannst (Hausmittel & Prävention)

Quarkwickel: Ein klassisches Hausmittel, das stark entzündungshemmend und kühlend wirkt.
Arbeitsplatz ergonomisch gestalten: Achte darauf, dass deine Arme beim Arbeiten am PC entspannt aufliegen.
Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Brustmuskulatur hilft, die Schulter nach hinten zu bringen und dem Gelenk mehr Platz zu geben.
Fazit

Eine Schleimbeutelentzündung erfordert Geduld. Wer den Schmerz ignoriert und die Schulter weiter belastet, riskiert einen chronischen Verlauf. Wer jedoch frühzeitig reagiert und die Belastung anpasst, hat sehr gute Chancen auf eine vollständige Genesung.
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