Verbotene Zone: Warum die indische Regierung den Zutritt zur Insel North Sentinel strengstens untersagt.

North Sentinel, eine kleine, dicht bewaldete Insel in der Andamanensee, ist eine der letzten unkontaktierten Zivilisationen der Welt. Die indische Regierung hat ein strenges Einreiseverbot verhängt, um die Insel und ihre Bewohner, die Sentinelese, zu schützen. Dieses Verbot ist das Ergebnis einer langen Geschichte von gescheiterten Kontaktaufnahmen und tragischen Vorfällen, die die extreme Abgeschiedenheit und Verteidigungsbereitschaft des Stammes verdeutlichen.

 

Warum die Isolation?

 

Die Isolation der Sentinelese wird heute als essenzieller Schutzmechanismus betrachtet. Der Stamm, dessen Bevölkerung auf 50 bis 150 Personen geschätzt wird, lebt in einer Art kultureller Steinzeit. Sie haben weder Kontakt zur Außenwelt, noch Immunität gegen moderne Krankheiten. Schon ein einfacher Erkältungsvirus könnte die gesamte Population auslöschen. Das Einreiseverbot dient also vor allem dazu, die physische und kulturelle Integrität des Stammes zu wahren.

 

Tragische Vorfälle als Warnung

 

Die Geschichte der Kontaktaufnahmen ist geprägt von tragischen Ereignissen, die das strikte Verbot untermauern.

Der Fall des Jägers-Sammlers: Im Jahr 2006 wurden zwei Fischer, die illegal in der Nähe der Insel nach Krabben fischten, von den Sentinelese getötet. Ihre Leichen wurden erst nach Tagen geborgen. Die Fischer hatten die Warnungen der Stammesmitglieder ignoriert, woraufhin diese mit Pfeil und Bogen reagierten.

Der Fall des Missionars John Allen Chau (2018): Der wohl bekannteste Vorfall ist der Tod des amerikanischen Missionars John Allen Chau. Er versuchte, illegal auf der Insel zu landen, um die Sentinelese zu evangelisieren. Er ignorierte die Warnungen der indischen Küstenwache und der Fischer, die ihn zur Insel brachten. Nach mehreren Versuchen, die Insel zu betreten, wurde er bei seiner letzten Annäherung von den Einheimischen getötet. Die indische Regierung hat seine Leiche bis heute nicht bergen können, um eine weitere Gefährdung der Sentinelese zu vermeiden.

Diese Vorfälle zeigen, dass die Sentinelese-Stammesleute äußerst entschlossen sind, ihr Territorium und ihre Lebensweise zu verteidigen. Sie reagieren auf jegliche Annäherung von außen mit Misstrauen und Aggression, da sie von früheren Begegnungen mit Eindringlingen wahrscheinlich traumatische Erfahrungen gemacht haben.

 

Konsequenzen des Einreiseverbots

 

Die indische Regierung hat nach den Vorfällen die Schutzmaßnahmen noch einmal verschärft. Schiffe und Boote müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens 5 Kilometern zur Insel einhalten. Die indische Marine und die Küstenwache patrouillieren regelmäßig in der Umgebung, um die Einhaltung des Verbots zu gewährleisten.

Das strikte Verbot von North Sentinel gilt als ein seltenes Beispiel für den Erfolg von Isolation zum Schutz einer indigenen Bevölkerung. Es ist ein Eingeständnis, dass die „moderne“ Welt nicht immer das Beste für unberührte Kulturen ist und dass der Respekt vor ihrer Autonomie und Lebensweise die höchste Priorität hat.

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