Versunkene Städte der Antike und Frühgeschichte

Versunkene Städte der Antike und Frühgeschichte faszinieren uns seit jeher und geben Einblicke in vergangene Zivilisationen. Viele von ihnen wurden durch Naturkatastrophen oder den Anstieg des Meeresspiegels verschluckt.

 

Was sind versunkene Städte?

 

Versunkene Städte sind Siedlungen oder Teile davon, die im Laufe der Geschichte unter Wasser geraten sind. Dies kann durch verschiedene Faktoren geschehen sein:

Naturkatastrophen: Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche oder große Sturmfluten können Städte plötzlich ins Meer reißen oder unter Schlamm, Asche und Wasser begraben.

Anstieg des Meeresspiegels: Über längere Zeiträume hinweg kann ein allmählicher Anstieg des Meeresspiegels dazu führen, dass Küstensiedlungen langsam überflutet werden. Dies war besonders nach der letzten Eiszeit der Fall, als große Eismassen schmolzen.

Absenkung des Landes (Subduktion): In manchen geologisch aktiven Gebieten kann sich das Land absenken, wodurch Städte unter die Wasseroberfläche sinken. Ein Beispiel hierfür ist Baiae in Italien.

Änderungen von Flussläufen oder Wasserständen: Auch im Binnenland können Städte versinken, wenn Flüsse ihre Läufe ändern oder Stauseen angelegt werden.

 

Bekannte Beispiele versunkener Städte

 

Es gibt zahlreiche faszinierende Beispiele für versunkene Städte weltweit:

Pavlopetri (Griechenland): Oft als die älteste versunkene Stadt der Welt bezeichnet, liegt sie vor der Küste Lakoniens auf dem Peloponnes. Sie ist über 5.000 Jahre alt und stammt aus der Bronzezeit (und möglicherweise sogar aus der Jungsteinzeit). Ihre gut erhaltenen Ruinen umfassen Straßen, Gebäude und Gräber und geben einzigartige Einblicke in die minoische oder mykenische Kultur. Sie versank vermutlich durch Erdbeben und den allmählichen Anstieg des Meeresspiegels.

Herakleion/Thonis (Ägypten): Diese antike Handelsstadt und Pilgerstätte lag in der Bucht von Abukir nahe Alexandria. Sie war einst ein wichtiges Tor zu Ägypten. Vor etwa 1.200 Jahren sank sie, vermutlich infolge eines Erdbebens, ins Mittelmeer. Im Jahr 2000 wiederentdeckt, wurden Tempelanlagen, Münzen, Schiffswracks und sogar mumifizierte Tiere gefunden.

Baiae (Italien): Nahe Neapel gelegen, war Baiae ein luxuriöser römischer Kurort, bekannt für seine Heilquellen und opulenten Villen. Durch vulkanische Aktivität und die damit verbundene Absenkung des Bodens (Bradyseismus) versank ein großer Teil der Stadt unter Wasser. Heute ist sie ein Unterwasser-Archäologiepark, wo man Ruinen von Villen und Bädern erkunden kann.

Rungholt (Deutschland): Diese legendäre Siedlung und ein wichtiger Handelshafen in Nordfriesland (heutiges Wattenmeer) soll 1362 bei der "Zweiten Marcellusflut" (oder "Grote Mandränke") in einer gewaltigen Sturmflut untergegangen sein. Die Überreste sind im Watt vergraben und können bei Wattwanderungen besichtigt werden.

Shi Sheng (China): Auch als "Löwenstadt" bekannt, wurde diese Stadt im Jahr 208 während der Östlichen Han-Dynastie erbaut und absichtlich überflutet, um 1959 den Xin'an-Staudamm zu bauen. Sie liegt heute im Qiandao-See und ist für Taucher zugänglich.

Yonaguni-Monument (Japan): Vor der Küste der Insel Yonaguni liegt eine umstrittene Unterwasserstruktur. Während einige Forscher sie für eine natürliche Felsformation halten, vermuten andere, es handele sich um eine künstliche Pyramide oder die Überreste einer versunkenen Stadt aus der Frühgeschichte, die vor etwa 10.000 Jahren versunken sein könnte.

 

Entdeckung und Erforschung versunkener Städte

 

Die Entdeckung und Erforschung versunkener Städte ist eine komplexe und aufwendige Aufgabe, die moderne Technologie und spezialisiertes Wissen erfordert:

Sonar und Echolot: Diese Technologien werden eingesetzt, um den Meeresboden zu kartieren und ungewöhnliche Strukturen oder Anomalien zu identifizieren, die auf versunkene Siedlungen hindeuten könnten.

Magnetometer: Sie können geringfügige Veränderungen im Erdmagnetfeld erkennen, die durch Metallobjekte oder archäologische Strukturen unter dem Sediment verursacht werden.

Side-Scan-Sonar: Erzeugt detaillierte Bilder des Meeresbodens und hilft, Strukturen wie Mauern, Fundamente oder Wracks zu identifizieren.

Unterwasserroboter (ROVs und AUVs): Ferngesteuerte oder autonome Unterwasserfahrzeuge mit Kameras, Sonar und Manipulatoren ermöglichen es, die Fundstellen zu untersuchen und detaillierte Aufnahmen zu machen, ohne dass Taucher in die oft große Tiefe müssen.

Taucher und Unterwasserarchäologie: Für genauere Untersuchungen und die Bergung von Artefakten kommen spezialisierte Unterwasserarchäologen zum Einsatz. Sie dokumentieren die Funde akribisch und bergen wertvolle Objekte. Die Arbeit unter Wasser ist jedoch aufgrund von Strömungen, eingeschränkter Sicht und Druckverhältnissen sehr anspruchsvoll.

Sedimentanalyse und Bohrkerne: Durch die Analyse von Sedimentproben können Informationen über die Umweltbedingungen zur Zeit der Besiedlung und die Ursache des Untergangs gewonnen werden.

Photogrammetrie und 3D-Modellierung: Zahlreiche Fotos der Fundstelle werden gemacht und digital zusammengefügt, um detaillierte 3D-Modelle der versunkenen Stadt zu erstellen. Dies hilft bei der Kartierung und der Visualisierung der Strukturen.

Historische Quellen und Legenden: Oft geben alte Texte, Karten oder mündliche Überlieferungen erste Hinweise auf die Existenz versunkener Orte, auch wenn sie oft mit Mythen und Sagen vermischt sind (wie im Fall von Atlantis).

Die Erhaltung von Artefakten unter Wasser ist oft besser als an Land, da sie durch Sedimente vor Sauerstoff, Licht und Verfall geschützt sind. Viele der entdeckten Funde bleiben nach ihrer wissenschaftlichen Untersuchung jedoch unter Wasser, um sie bestmöglich zu schützen.

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