Achtung, Stichgefahr! Das müssen Italien-Reisende über die Tigermücke und ihre Krankheiten wissen.

Italien, das Land von "La dolce vita", der Sonne und des unbeschwerten Urlaubsgefühls, hat einen neuen, ungebetenen Gast. Neben den traditionellen Mückenarten hat sich in den letzten Jahren die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) fast im ganzen Land ausgebreitet. Und sie ist mehr als nur eine lästige Blutsaugerin. Sie kann Viren übertragen, die in Europa bisher kaum bekannt waren. Reisende sollten sich der potenziellen Gefahr bewusst sein und wissen, wie sie sich schützen können.

 

Die rasante Verbreitung: Ein Problem der Globalisierung

 

Die Tigermücke ist nicht heimisch in Europa, sondern wurde passiv über den internationalen Güterverkehr, insbesondere in Gebrauchtreifen und Zierpflanzenlieferungen, eingeschleppt. Das milde Klima des Mittelmeerraums, gepaart mit warmen Wintern und feuchten Sommern, bietet ihr ideale Lebensbedingungen. Inzwischen ist sie in allen italienischen Regionen von Südtirol bis Sizilien anzutreffen. Ihre aggressive, tagaktive Art unterscheidet sie von heimischen Mücken. Sie sticht nicht nur in der Dämmerung, sondern vor allem auch tagsüber.

 

Dengue, Chikungunya und West-Nil-Fieber: Die unbekannten Gefahren

 

Während die meisten Mückenstiche nur Juckreiz verursachen, kann ein Stich der Tigermücke Viren übertragen, die zu ernsthaften Erkrankungen führen können.

Dengue-Fieber: In Italien treten jedes Jahr lokal übertragene Fälle von Dengue-Fieber auf. Die Krankheit, auch "Knochenbrecher-Fieber" genannt, äußert sich meist durch hohes Fieber, starke Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautausschlag. In den meisten Fällen verläuft sie mild, doch eine schwere Verlaufsform kann in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein. Insbesondere bei einer wiederholten Infektion besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen.

Chikungunya-Fieber: Dieses Virus verursacht ebenfalls hohes Fieber und starke, oft langanhaltende Gelenkschmerzen, die zu einer gekrümmten Haltung führen können. Der erste große Ausbruch in Europa ereignete sich 2007 in Italien. Obwohl es seitdem weniger Fälle gab, bleibt die Bedrohung bestehen.

West-Nil-Fieber: Dieses Virus wird zwar in Europa meist von heimischen Mücken übertragen, aber auch die Tigermücke kann als Vektor dienen. Die meisten Infektionen verlaufen symptomfrei, doch bei einem kleinen Teil der Erkrankten kann es zu neurologischen Problemen wie Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen kommen, die in seltenen Fällen tödlich verlaufen können.

 

Wie Reisende sich effektiv schützen können

 

Das Auswärtige Amt spricht derzeit keine generelle Reisewarnung für Italien aus, da die Zahl der lokalen Infektionen im Vergleich zur Gesamtzahl der Touristen gering ist. Es empfiehlt jedoch dringend eine konsequente Expositionsprophylaxe – also den Schutz vor Mückenstichen.

Folgende Maßnahmen sind für Ihren Italien-Urlaub unerlässlich:

Insektenschutzmittel (Repellents): Verwenden Sie Insektenschutzmittel, die Wirkstoffe wie DEET oder Icaridin enthalten. Tragen Sie diese sorgfältig auf alle unbedeckten Hautstellen auf und erneuern Sie den Schutz regelmäßig, vor allem bei Schwitzen oder nach dem Baden.

Körperbedeckende Kleidung: Tragen Sie lange Hosen, langärmelige Oberteile und Socken, insbesondere tagsüber und in Gärten oder schattigen Bereichen. Helle Kleidung wird empfohlen, da sie Mücken weniger anzieht als dunkle.

Schutz in Innenräumen: Sorgen Sie dafür, dass Fenster und Türen mit engmaschigen Fliegengittern ausgestattet sind. Nutzen Sie, wenn möglich, eine Klimaanlage, da Mücken kühle Luft meiden.

Vermeidung von Brutstätten: Die Tigermücke legt ihre Eier in kleinsten stehenden Wasseransammlungen ab. Leeren Sie regelmäßig Wassereimer, Gießkannen oder Untersetzer von Blumentöpfen auf Balkonen oder in Gärten.

Wichtig nach der Rückkehr:

Sollten Sie nach Ihrer Rückkehr aus Italien Fieber, starke Kopf- oder Gliederschmerzen oder Hautausschlag feststellen, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Informieren Sie diesen über Ihre Reise nach Italien, damit die Möglichkeit einer Infektion mit Dengue oder Chikungunya in Betracht gezogen werden kann.

Die Tigermücke ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Klimawandel und die Globalisierung neue gesundheitliche Herausforderungen mit sich bringen. Mit einem gestiegenen Bewusstsein und einfachen Schutzmaßnahmen können Reisende das Risiko jedoch erheblich minimieren und ihren Italien-Urlaub weiterhin unbeschwert genießen.

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